Unsere Geschichte - Henderina Stubbe

Der schmale Grat zwischen Kundenservice und -evakuierung

Der humanitäre Reisesektor ist sprunghaft und oftmals verändern sich die Umstände von einem Tag auf den anderen dramatisch. Es kommt vor, dass unterschiedliche Raptim Kunden zeitgleich völlig unterschiedlichen Dingen nachgehen, nur wenige Flugstunden voneinander entfernt. Henderina Stubbe, Reiseberaterin, hat dies 2013 aus nächster Nähe mitbekommen.

Die bereits angespannte Lage zwischen dem südsudanischen Präsidenten Kiir und Vizepräsident Machar gipfelte am 15. Dezember 2013 in einem Gewaltausbruch. Die Hauptstadt Juba wurde Schauplatz schwerer Feuergefechte und wenig später breitete sich die Gewalt auch auf weitere Landesteile aus.

“In solchen Momenten wird uns sehr bewusst, dass der Grat zwischen ‚Kundenservice’ und ‚Kundenevakuierung’ sehr schmal ist.”

Henderina Stubbe arbeitet als Reiseberaterin in unserem Amsterdamer Büro, zu ihren Hauptkunden zählt Médecins Sans Frontières (MSF) – eine humanitäre Ärzteorganisation, deren größter Hilfseinsatz im Südsudan stattfindet. Nach dem plötzlichen Gewaltausbruch entschied sich MSF dafür, die meisten Helfer evakuieren zu lassen.

„Wir mussten Wege und passende Flüge finden, um die Helfer außer Landes bringen zu können.”, erinnert sich Henderina. „In solchen Momenten wird uns sehr bewusst, dass der Grat zwischen ‚Kundenservice’ und ‚Kundenevakuierung’ sehr schmal ist.”

Während Henderina versuchte, die internationalen Ärzteteams außer Landes zu bringen, organisierte sie weitere Ausreisen für eine Vielzahl weiterer Menschen, die das Land ebenfalls verlassen mussten. PAX, eine niederländische Organisation zur Friedenssicherung und weiterer wichtiger Kunde, agierte unterdessen als Vermittler während der Friedensverhandlungen zwischen den zerstrittenen Lagern im Südsudan. Die Verhandlungen fanden im benachbarten Äthiopien statt und sollten das Ende des seit Jahresbeginn fortwährenden Aufstandes der SSDM/A-Cobra Fraktion darstellen. „Zu diesem Zweck mussten wir Delegierte der Regierung, Übersetzer, religiöse Oberhäupter und lokale PAX Mitarbeiter von Juba nach Äthiopien einfliegen.“

Im darauffolgenden Monat, am 23. Januar 2014, wurde das erste, noch zerbrechliche, Waffenstillstandsabkommen von den Delegationen des zerstrittenen Präsidenten und Vizepräsidenten unterzeichnet. Nur eine Woche später, am 30. Januar 2014, wurde ein weiteres und umfassenderes Abkommen unterzeichnet.

PAX Mitarbeiter schrieben uns: „Ohne Ihre fortwährende Unterstützung und die harte Arbeit wären wir nicht im Stande gewesen, diesen wichtigen Fortschritt zu machen. Darum möchten wir Ihnen herzlichst für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihre Flexibilität danken.“

„Gleichzeitig mit einer dringenden Evakuierung und einer Zusammenkunft zu Friedensgesprächen konfrontiert zu werden, macht unsere Arbeit so speziell und erfüllend“, erzählt Henderina. „Lasst uns hoffen, dass der Waffenstillstand nur ein erster Schritt zu einer friedlichen Lösung der Probleme vor Ort ist, sodass Médicins Sans Frontièrs und andere Organisationen in den Südsudan zurückkehren und den Menschen helfen können, die darauf angewiesen sind.“

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